Zum Schreiben braucht’s vor allem eines: einen grossen Papierkorb!

 

Nun bin also auch ich unter die Blogger gegangen. Mein Ziel: Ich will Influencerin werden. Und zwar Influencerin für die Pflege unserer schönen Sprache. Oder so. Kleiner Kalauer am Rande. Im Grunde soll diese Blogseite eine Art Referenz werden, damit alle potenziellen Kunden nachlesen können, ob ich es drauf habe. Ob man mir seine Episteln anvertrauen kann. Und da sich Blogger – Influencer sowieso – weit aus dem Fenster lehnen und ihre persönlichen Überzeugungen und Ratschläge im Web verbreiten, können sie sich gleich auch ein Bild von mir machen. Und feststellen, ob das was wird mit uns.

Was ist naheliegender, als dass ich für meinen ersten Blog folgende Aussage auf meiner Website ins Zentrum rücke:

Zum Schreiben braucht’s vor allem eines: einen grossen Papierkorb.

Gut, heutzutage hat sich das ein bisschen verschoben. Früher hatten wir entnervt das Papier aus dem „Hackbrett“, sprich der Schreibmaschine, gerissen und daraus ein wunderbares Knöllchen gefertigt, das wir in hohem Bogen in den Papierkorb spedierten. Wir hatten uns einen Sport daraus gemacht, von möglichst weit ins Rundfile zu treffen – und unser diesbezügliches Können (zwangsläufig) laufend perfektioniert. Dann zogen wir das nächste Blatt Papier in die Maschine und begannen von vorn. Bis zum nächsten Stolperer. Neues Knöllchen; da capo. Heute haben wir’s gut: Wir können einfach löschen, was wir getippt und gespeichert haben. Das hindert uns allerdings nicht, unsere Schriftstücke immer und immer wieder von vorne zu beginnen. Auch wenn wir real keine Papierkörbe mehr füllen, so füllen wir dennoch unsere Zeit – mit viel Leerlauf und einer tüchtigen Portion Unproduktivität.

Heute sind weniger Rechtschreibung und Grammatik Ursache für den gut bestückten Papierkorb. Wie gesagt, beim Korrekturlesen (ich hoffe doch sehr, alle geneigten Leser wissen, was ich damit meine) können wir Schreibfehler ausmerzen. Vielmehr ist es heute der lästige Schreibstau, der uns immer und immer wieder von vorne beginnen lässt. So ergeht es jedem Schreiberling irgendwann mal. Es soll Schriftsteller geben, die sitzen einen Morgen lang an ihrem Manuskript – und haben, wenn sie am Mittag zum Lunch enteilen, keinen einzigen Buchstaben geschrieben. Andere können sich nicht auf eine Formulierung festlegen. Ich hatte mal einen Kunden, für den habe ich im Laufe eines Vormittags den geplanten Flyer fünf Mal umgeschrieben (ja, es war ein langer Morgen!). Immer ist ihm wieder etwas Neues in den Sinn gekommen, das noch besser war als alles Vorherige. Mir geht es oft nicht anders. Auch wenn ich mir wegen Abgabefristen irgendwann mal sage, dass auch mal gut sein muss, und mich zwinge, loszulassen: Wenn ich meine Texte nach ein paar Monaten wieder lese, sehe ich zig Dinge, die ich heute anders schreiben würde.

Ich muss jetzt anfügen, dass es nicht oft vorkommt, dass „Texter wider Willen“ um schöne Formulierungen und flüssig lesbare Texte ringen. Allzu häufig ist es dem Tintenkleckser nämlich schnurzpiepegal, was er schreibt, wie er schreibt, wie viele Fehler er macht und vor allem wie es bei seinem Leser ankommt. Solche Individuen produzieren dennoch für den Papierkorb. Denn dort und nur dort gehörten deren Schriftstücke eigentlich hin.

Egal, zu welcher Fraktion Sie zählen. Zu jener, die sich beim Schreiben die Haare rauft, mental Papierkörbe füllt und heimlich den schwelenden Schreibstau verflucht. Oder ob Sie zur „Rechtschreibung-und- Grammatik-werden-masslos-überbewertet-Fraktion“ gehören – ich kann beiden helfen. Entweder Sie lassen mich den meinen Papierkorb füllen und kümmern sich derweil um Erfreulicheres. Denn diesen zu füllen, gehört ebenso zu meinem Job wie etwa das Abdecken zu jenem des Malers.

Oder aber Sie kommen zur Erkenntnis, dass mit schlechtem Deutsch zwangsläufig Ihre Fachkompetenz und Ihre Wertschätzung gegenüber Kunden infrage gestellt sind. Und dass dem abgeholfen werden müsste. Dann lassen Sie mich Ihre Texte korrigieren, gegenlesen – oder warum nicht gleich schreiben.

Ganz Wissbegierige wiederum trommeln ihr Team zusammen und gönnen sich einen massgeschneiderten „Deutsch-Auffrischer-Kurs.“

Sie sehen, es gibt Mittel und Wege, dem vollen Papierkorb den Kampf anzusagen.

So. Ich bin am Ende meines ersten Blogs. (Im Vertrauen – das muss unter uns bleiben: Ich habe diesen Text mindestens sechs Mal neu begonnen und eine gefühlte Ewigkeit daran geschräubelt!). Mit meinen Blogs will ich Sie jeweils ein bisschen unterhalten, Ihnen ein Grinsen abringen oder Sie vielleicht zum Nachdenken anregen. Wir werden hier ab und zu ein paar sprachliche Aspekte betrachten. Vielleicht lernen wir beide ja was dazu. Das wäre schön.

Häuptlingsehrenwort! Ich werde Sie bestimmt nicht mit dauernd neuen Blogs zutexten. Ich freue mich aber, wenn Sie ab und zu reinschauen.