Das Abc der besseren Texte



Ich hatte schon lange Lust, ein Abc zum besseren Texten auszuarbeiten. Da ich nicht einen mehrere Hundert Seiten dicken Schinken verfassen möchte – wer liest den schon? – muss ich mich notgedrungen auf ein Stichwort pro Buchstaben beschränken. Es wird auch so lang genug. Lehrreich, aber lange genug. Bereits beim A hätte ich gerne mehrere Stichworte behandelt. Wusstet ihr beispielsweise, dass man Abc und nicht ABC schreibt? Eben. Aber lasst uns loslegen.

A wie Adjektive
Bei den meisten Textern sind sie verpönt. Denn oft schaffen sie keinen Mehrwert. Ich sehe das nicht schwarz-weiss. Ich finde wichtig, dass man sie bewusst einsetzt, jedoch versucht, überflüssige Zusätze kompromisslos zu streichen.

B wie Briefing
Ohne Briefing wird es für Texter schwierig. Und für die Auftraggeber teuer. Ich bin dagegen, dass man Briefings unnötig aufbläht. Aber ein paar Basisangaben müssen sein. Haltet euch an folgende Ws:
Was 
ist der Inhalt des Textes?
Welches 
Ziel soll der Text erreichen?
Wer 
ist das Zielpublikum?
Wie
 soll das Zielpublikum angesprochen werden?
Wo 
erscheint der Text?
Wann 
erscheint der Text?

C wie chronologisch
Eine knifflige Aufgabe ist es, komplexe Texte eine Struktur zu geben. Es benötigt einen Aufbau, Spannungsbogen und roten Faden, damit ihr den Leser nicht auf der Strecke lässt. Das erreicht ihr beispielsweise mit einer Mindmap. Die erlaubt es euch, Themen zu gruppieren, in eine Hierarchie zu gliedern und entlang dieser Hierarchie zu schreiben.

D wie Dialog
Ein guter Text wirkt wie ein Dialog mit dem Leser. Es hilft, sich beim Schreiben einen Leser bildlich vorzustellen, dem man persönlich schreibt.

E wie E-Mail
Die oder das E-Mail (beides ist richtig) schreibt man korrekterweise mit Bindestrich. Email ist ein Überzug. Der elektronische Briefverkehr löst mehr und mehr den guten alten Brief ab. Was den Sprung in die neue Technologie nicht geschafft hat, sind Anstand und Umgangsformen. Also: E-Mails werden strukturiert, anständig gelayoutet, korrekturgelesen und erst wenn alles passt, abgeschickt.

F wie Floskeln
Wer nicht aufpasst, spickt seine Korrespondenz ungewollt mit Floskeln. Beispielsweise das aus der Zeit gefallene «Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben dienen zu können.» Oder auch das «Wir stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung», «wir bedauern, Ihnen keine positive Antwort geben zu können» und so weiter und so fort. Auch kleine Wortbiester wie «im Endeffekt, so gesehen, im Grunde genommen» lassen sich oft ersatzlos streichen, ohne dass der Text deswegen verliert.

G wie Genitiv
Lasst den Genitiv leben! Es heisst nicht das Auto vom Chef, sondern das Auto des Chefs. Und das Genitiv-S hat mit wenigen Ausnahme keinen Apostroph im Wortgefüge. Wenn ihr die Ausnahmen nicht kennt, verwendet lieber NIE einen Apostroph statt einen falschen. Ihr wisst, wie man dem Deutschen Hochkomma in Zusammenhang mit dem Genitiv auch sagt? Deppenapostroph. Ihr nicht, oder?

H wie Hilfsmittel
Die wenigsten von uns sind 100-prozentig sattelfest in Deutsch. Das ist okay. Mich erstaunt jedoch, wie wenig Otto Normalverbraucher auf die vielen Hilfsmittel zurückgreift, die online zur Verfügung stehen. Ob Duden, Wortliga, Blablameter – sie alle helfen uns, besser zu schreiben.

I wie Interjektion
Kommt vom Lateinischen «intercetio» und bedeutet «Dazwischenwerfen». Sie gehört zu einer Untergruppe der vier Adjektivarten und ist ein Ausrufewort, das Empfindungen ausdrückt: Autsch, pfui, hach, ui, oje sind Vertreter der Interjektionen.

J wie Jubiläen
An was denkt ihr, wenn ihr von einem 100-jährigen Jubiläum hört? An ein hundert Jahre altes Jubiläum? Dann wäre der Ausdruck korrekt. Feiert aber eine Institution ihr 100-jähriges Bestehen, ist er falsch. Dann müsste es «das 100-Jahr-Jubiläum» heissen.

K wie Korrekturlesen
Egal ob Geschäftskorrespondenz, E-Mail, Flyer, Webinhalt oder was auch immer: Ein Text gehört korrekturgelesen. Zwingend. Wie das geht, habe ich in einem Flyer zusammengefasst. Wer ihn haben will, kann ihn über E-Mail bei mir bestellen.

L wie (Text) laut lesen
Einen der besten Tipps zur Prüfung eurer Texte ist der, sich die eigene Schreibe laut vorzulesen. Ihr werdet erstaunt sein, wie viele Fehler ihr noch entdeckt, über die ihr vorher hinweggelesen habt. Redundanzen fallen euch besser auf und ihr hört holprige Satzrhythmen. 

M wie Mehrwert
Mehrwert ist ein Begriff, den man in Zusammenhang mit Content immer wieder hört. Autoren müssen für die Leserinnen zwingend einen Mehrwert schaffen. Das heisst, schreiben, was die Leser noch nicht wussten. Oder Aspekte einbringen, die weniger bekannt sind. Die Zeiten des blutleeren Blablas sind vorbei.

N wie Nebensatz
Die einfachste Kommaregel ist folgende: Nebensätze werden von den Hauptsätzen mit Komma abgetrennt. Woran erkennt man einen Nebensatz? Das Verb steht am Schluss. Im Hauptsatz steht das (konjugierte) Verb an zweiter Stelle.

O wie online
Online ist ein Adverb und wird kleingeschrieben. Also online gehen, online einkaufen oder online sein.

P wie Passiv
Wer fesselnd schreiben will, verwendet das Passiv nur passiv. Also nur sehr, sehr selten. Das Passiv ist schwerfällig und unverbindlich.Beispiel: Es wird gesagt, er habe eine Geliebte. (Wer sagt das? Bitte nennen, wer solche Gerüchte verbreitet!)
Oder
«Der Text wurde von mir korrigiert» versus «Ich korrigierte den Text».
Noch Fragen?

Q wie Quellenangaben
Wenn ihr Plagiatsvorwürfe verhindern möchtet, ist es wichtig, dass ihr die Quellenangaben nicht vergesst, wenn ihr euch aus Werken anderer bedient. Zitate gehören in Anführungs- und Schlusszeichen mit Vornamen, Namen und Werk des Autors in Klammern, inklusive Verlag und Erscheinungsjahr. Bei Quellenangaben aus dem Internet zitiert ihr Namen, Vornamen, Titel, Datum der Veröffentlichung und die URL.

R wie Rechtschreibung
Ihr könnt euch noch so schöne Formulierungen ausdenken, wenn ihr Sie und sie oder das und dass verwechselt, Gross- und Kleinschreibung vernachlässigt oder getrennt statt zusammenschreibt: Euer Text ist nur noch halb so viel wert. Zur Hilfe eilen euch online Korrekturprogramme, Duden oder eine Textanalyse. Es lohnt sich, sie zu verwenden.

S wie Satzzeichen
Kennt ihr das häufigste Satzzeichen? Es ist der Leerschlag. Genau, der gehört auch dazu. Satzzeichen korrekt zu setzen, ist wichtig. Erstens erhöhen sie die Verständlichkeit des Textes. Zweitens können falsch gesetzte Satzzeichen den Sinn einer Aussage verändern. Drittens unterstützen sie ein sauberes Layout. Verwendet die ganze Palette der Satzzeichen. Aber seid sparsam mit Ausrufezeichen.

T wie Tabelle
Manchmal erhalte ich Word-Dokumente, die sich durch, um es gelinde auszudrücken, sehr eigenwillige Formatierungen auszeichnen. Merkt euch: Eine Tabelle hilft euch beim Formatieren, auch wenn ihr keine Kalkulationsfunktionen benötigt. Also, wenn ihr in einem Text etwas übersichtlich darstellen müsst, fügt eine Tabelle (ohne Rand) ein. Das Layout wird dadurch gleich viel stabiler.

Unwort des Jahres
Scheininvalide, FIFA-Ethikkommission, Dichtestress oder systemrelevant gehören zu den in der Schweiz gekürten Unwörtern. Beim Formulieren heisst es also aufpassen, dass man nicht in den Kanon nichtssagender Schwurbelwörter der Allgemeinheit einstimmt. Einmal mehr bedeutet das: bewusst formulieren.

V wie Verben
Wollt ihr anschaulich schreiben? Dann verwendet treffende Verben. Beispiele:
gehen: schlendern, flanieren, bummeln, eilen, hasten, stapfen
arbeiten: bügeln, werkeln, wirken, amten
fahren: brausen, donnern, knattern, gleiten, chauffieren, lenken, steuern
sagen: erzählen, berichten, ausrichten, anvertrauen, artikulieren, sprechen, monieren

W wie Wortliebe 
Dank schöner Wörter lebt die Sprache. Es gibt so viele wunderbare Vokabeln, die treffend ausdrücken, was wir sehen, spüren, sagen wollen. Es lohnt sich, zwischendurch in Wörterbücher abzutauchen und sich seltene Schönheiten zu merken – auch beim Lesen von Texten anderer Autoren eine bereichernde Beschäftigung.

X wie x-mal
Gross oder klein? Seit der Rechtschreibreform heisst es vereinheitlicht korrekt: zum x-ten Mal und zum x-ten Male. Also: Das erkläre ich dir jetzt zum x-ten Mal (Nomen) und wir haben es bereits x-mal (Adverb) besprochen.

Y wie Yvonne, Herr Meier oder Frau Dr. Übelhart
Die «zielgruppengerechte» Ansprache ist wichtig für euren Text. Denn je nachdem, ob ihr Teenager Yvonne, Senior Meier oder Akademikerin Übelhart in der Zielgruppe habt, müsst ihr die Tonalität ändern. Es hilft, sich einen Vertreter der Zielgruppe, beispielsweise die Yvonne, beim Schreiben bildlich vor Augen zu halten und ihn direkt anzuschreiben.

Z wie Zusammenschreiben oder vielleicht eher zusammen schreiben?
Ein nicht ganz einfaches Kapitel – denn ob ein Wort getrennt oder zusammengeschrieben wird, ergibt sich aus dem Kontext und seiner Bedeutung:
Frei sprechen = reden, ohne abzulesen
Freisprechen = juristisch von einer Schuld befreien
Zusammen nähen = in Gesellschaft von anderen Personen nähen
Zusammennähen = aus zwei Stück mach nähenderweise eines